Ein Schuss im Discounter – mitten in Karow, kurz vor Ladenschluss. Vier Unbekannte haben am späten Abend einen Markt am Hubertusdamm überfallen und eine junge Angestellte mit einer Pistole bedroht.1
Die Täter kassierten Bargeld und mehrere Stangen Zigaretten, bevor sie flüchteten – zurück blieben Patronenhülsen einer mutmaßlichen Schreckschusswaffe und ein Laden voller verunsicherter Menschen.2
Überfall kurz vor Ladenschluss
Nach Angaben der Polizei betraten die vier Männer gegen 22 Uhr den Discounter am Hubertusdamm in Karow. Zu diesem Zeitpunkt war der Markt bereits für Kunden geschlossen oder stand kurz davor, den Betrieb zu beenden.
Einer der Männer begab sich direkt zur Kasse und bedrohte eine 18-jährige Angestellte mit einer Pistole. Er forderte sie auf, die Kasse zu öffnen und das Bargeld herauszugeben.
Schuss in die Luft – Panik im Kassenbereich
Während die junge Frau das verlangte Geld herausgab, durchsuchten die Komplizen den Bereich mit Tabakwaren und griffen sich mehrere Zigarettenstangen. In dieser Situation gab der bewaffnete Täter laut Polizei einen Schuss in die Luft ab und lud die Waffe anschließend erneut durch.
Im Kassenbereich fanden die eingesetzten Beamten später zwei Patronenhülsen, die augenscheinlich aus einer Schreckschusswaffe stammen.3 Für die Angestellte machte das in diesem Moment allerdings keinen Unterschied – die Todesangst war real.
„Ob echte Waffe oder Schreckschuss – wenn dir jemand die Pistole entgegenhält, friert dir das Blut in den Adern ein“, sagt ein Anwohner, der in der Nähe einkauft und von der Tat aus den Nachrichten erfuhr.
Flucht mit Bargeld und Zigaretten
Nach dem Schuss packten die Männer ihre Beute zusammen und flüchteten aus dem Markt. Sie konnten unerkannt entkommen, eine sofort eingeleitete Fahndung blieb zunächst ohne Erfolg.4
Mitgenommen wurden Bargeld aus der Kasse sowie mehrere Stangen Zigaretten. Wie hoch der entstandene Schaden genau ist, teilte die Polizei bislang nicht mit.
Junge Angestellte körperlich unverletzt – seelisch aber getroffen
Die 18-jährige Kassiererin blieb nach Polizeiangaben körperlich unverletzt. Das bedeutet aber nicht, dass der Überfall spurlos an ihr vorbeigehen wird.
„So ein Erlebnis arbeitet man nicht in ein, zwei Tagen weg“, sagt eine Karowerin, die selbst in einem Supermarkt in Pankow arbeitet. „Wir stehen da meist allein an der Kasse, und wenn dann vier Typen reinkommen, hat man keine Chance – das geht uns allen hier durch den Kopf.“
Die Polizei bietet Opfern von Gewalttaten in der Regel Unterstützung und Vermittlung an spezialisierte Beratungsstellen an. Für viele Beschäftigte im Einzelhandel ist dieser Überfall ein weiterer Beleg dafür, wie gefährlich ein vermeintlich „normaler“ Job inzwischen sein kann.
Was der Überfall für Karow bedeutet
Karow ist eigentlich eher für ruhige Wohnstraßen, Reihenhäuser und Familienidylle bekannt als für bewaffnete Überfälle. Umso mehr sorgt der Schuss im Discounter in der Nachbarschaft für Gesprächsstoff – vom Spielplatz bis zum Bäcker.
„Man denkt immer, sowas passiert irgendwo in der Innenstadt, aber nicht direkt vor unserer Haustür“, meint ein Anwohner aus der Nähe des Hubertusdamms. „Jetzt fragt man sich: War das Zufall oder schauen die sich hier gezielt Läden aus?“
Die Kriminalpolizei der Direktion 1 (Nord) hat die weiteren Ermittlungen übernommen. Dazu gehört neben der Spurensicherung im Markt auch die Auswertung möglicher Videoaufnahmen und Zeugenaussagen.
Nachbarn als wichtigste Zeugen
Die Ermittler setzen dabei auch auf Hinweise aus der Nachbarschaft. Wer rund um 22 Uhr im Bereich Hubertusdamm unterwegs war, ungewöhnliche Personen, Fahrzeuge oder Geräusche bemerkt hat, könnte entscheidende Puzzleteile liefern.
„Gerade in Wohngebieten wie Karow sind aufmerksame Nachbarn oft unser wichtigstes Frühwarnsystem“, heißt es sinngemäß aus Polizeikreisen. Viele Fälle lassen sich nur aufklären, weil jemand doch noch mal darüber nachdenkt, was ihm am Abend zuvor komisch vorkam.
Für die Menschen in Karow bleibt nach dem Überfall ein mulmiges Gefühl – und die Hoffnung, dass die Täter schnell gefasst werden. Bis dahin gilt: Türen zu, Augen auf, und wenn etwas nicht passt, lieber einmal zu viel die 110 wählen als einmal zu wenig.