Pankow ist seit der Bezirksreform der größte Berliner Bezirk, und kaum jemand kennt ihn ganz. Die meisten denken an Prenzlauer Berg, an Altbaufassaden, Cafés und Spielplätze rund um den Kollwitzplatz. Doch der Bezirk reicht weit darüber hinaus: nach Weißensee mit seinem See und dem größten jüdischen Friedhof Europas, nach Pankow selbst mit Barockschloss und Bürgerpark, bis hinauf nach Blankenfelde, wo Berlin in Felder und Wiesen übergeht.
Was Pankow so reizvoll macht, ist dieser Wechsel auf engem Raum. In einer Viertelstunde mit Tram oder S-Bahn kommst du vom dicht bebauten Gründerzeitviertel ins stille Grün am Wasser. Wir haben die 13 lohnendsten Sehenswürdigkeiten zusammengestellt, vom berühmten Wahrzeichen bis zum Ort, den selbst viele Berliner noch nie gesehen haben.
- 1. Wasserturm Prenzlauer Berg am Kollwitzplatz
- 2. Kulturbrauerei
- 3. Mauerpark
- 4. Schloss Schönhausen
- 5. Jüdischer Friedhof Weißensee
- 6. Weißer See
- 7. Gethsemanekirche
- 8. Bürgerpark Pankow
- 9. Zeiss-Großplanetarium
- 10. Schönhauser Allee
- 11. Majakowskiring und das Städtchen
- 12. Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark und Friedrichshain-Blick
- 13. Botanischer Volkspark Blankenfelde-Pankow
1. Wasserturm Prenzlauer Berg am Kollwitzplatz
© Mark Ahsmann
Kein Bauwerk steht so sehr für Prenzlauer Berg wie der dicke runde Wasserturm zwischen Knaackstraße und Belforter Straße. Errichtet 1877, ist er der älteste Wasserturm Berlins, ein gedrungener Backsteinzylinder auf dem Windmühlenberg, umgeben vom angelegten Grün der heutigen Parkanlage. Das Maschinenhaus daneben mit seinem spitzen Turm gehört zum selben Ensemble. Bis heute wird der Turm selbst bewohnt, die Wohnungen liegen ringförmig um den ehemaligen Wasserbehälter.
Die Geschichte des Ortes hat eine dunkle Seite: 1933 nutzte die SA die unterirdischen Räume als eines der ersten wilden Konzentrationslager Berlins, in dem politische Gegner gefoltert und ermordet wurden. Eine Gedenktafel erinnert daran. Wer heute oben auf der Wiese sitzt, blickt über die Dächer des Viertels, und an warmen Abenden ist der Hang ein beliebter Treffpunkt.
Direkt nebenan liegt der Kollwitzplatz, das soziale Zentrum des Viertels, am besten erreichbar über den U-Bahnhof Senefelderplatz (U2). Rund um den Turm lässt sich Prenzlauer Berg in seiner reinsten Form erleben, am lebendigsten am Samstag, wenn der Wochenmarkt den Platz füllt.
2. Kulturbrauerei
© Kaspar Metz
Zwischen Schönhauser Allee, Sredzkistraße und Knaackstraße liegt eines der schönsten Industriedenkmäler der Stadt. Die ehemalige Schultheiss-Brauerei, in den 1880er Jahren von Franz Schwechten im Stil der märkischen Backsteingotik errichtet, ist ein verschachteltes Geviert aus gelben und roten Klinkerbauten, Türmchen und kopfsteingepflasterten Höfen. Bis 1967 wurde hier Bier gebraut.
Heute ist die Kulturbrauerei ein lebendiges Zentrum: Kino, Konzertsäle, Clubs, ein Theater, Restaurants und das Museum in der Kulturbrauerei, das das Alltagsleben in der DDR zeigt und freien Eintritt bietet. Im Dezember verwandelt sich der größte Hof in einen der stimmungsvollsten Weihnachtsmärkte des Nordens.
Du erreichst die Kulturbrauerei in wenigen Minuten vom U- und S-Bahnhof Eberswalder Straße oder Schönhauser Allee. Schon der Gang durch die Höfe lohnt sich, allein wegen der Architektur, die zwischen den modernen Nutzungen erstaunlich vollständig erhalten geblieben ist.
3. Mauerpark
© Traktorminze
Wo bis 1989 die Berliner Mauer den Norden teilte, dehnt sich heute der Mauerpark, eine weite, leicht ruppige Grünfläche an der Grenze zwischen Prenzlauer Berg und Wedding. Ein erhaltener Mauerabschnitt am westlichen Rand erinnert an die Teilung und dient längst als legale Graffiti-Wand. Der Name ist also wörtlich zu nehmen: Der Park liegt auf dem ehemaligen Todesstreifen.
Berühmt ist der Mauerpark vor allem am Sonntag. Dann zieht der große Flohmarkt Tausende an, und im steinernen Amphitheater am Hang findet die Bearpit-Karaoke statt, bei der mutige Sänger vor einem Publikum von Hunderten auftreten. An warmen Wochenenden ist die Wiese ein einziges Picknick, mit Trommlern, Slacklines und Seifenblasen über den Köpfen.
Am schnellsten kommst du über den U-Bahnhof Eberswalder Straße (U2) oder den S-Bahnhof Schönhauser Allee. Wer die Ruhe sucht, kommt unter der Woche am Vormittag, wenn die Wiese fast leer und der Blick über die Stadt frei ist.
4. Schloss Schönhausen
© A.Savin
Mitten im Ortsteil Niederschönhausen steht eines der schönsten Barockschlösser Berlins. Schloss Schönhausen, im 17. Jahrhundert begonnen und im 18. Jahrhundert von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff für Königin Elisabeth Christine, die ungeliebte Gemahlin Friedrichs des Großen, umgebaut, ist ein eleganter gelb-weißer Bau mit Mansarddach. Elisabeth Christine verbrachte hier die Sommer fast vier Jahrzehnte lang, fern vom Hof in Potsdam.
Im 20. Jahrhundert wurde das Schloss noch einmal Bühne der Geschichte. Nach 1949 residierte hier Wilhelm Pieck als erster und einziger Präsident der DDR, später diente das Haus als Gästehaus der Regierung und Schauplatz des Runden Tisches 1990. Heute ist es ein Museum, das beide Epochen, das höfische 18. Jahrhundert und die DDR-Zeit, in den originalen Räumen erfahrbar macht.
Rund um das Schloss erstreckt sich der weitläufige Schlosspark an der Panke, ein lauschiger Landschaftsgarten mit alten Bäumen, der frei zugänglich ist. Du erreichst das Ensemble mit der Tram bis zur Haltestelle Schloss Niederschönhausen, vom U-Bahnhof Pankow sind es einige Minuten zu Fuß.
5. Jüdischer Friedhof Weißensee
© Angela M. Arnold, Berlin
Hinter einer hohen Mauer an der Herbert-Baum-Straße liegt einer der bewegendsten Orte Berlins. Der Jüdische Friedhof Weißensee, 1880 eröffnet, ist mit rund 42 Hektar und über 115.000 Gräbern der größte erhaltene jüdische Friedhof Europas. Der Architekt Hugo Licht entwarf eine streng symmetrische Anlage, deren Wege sich heute unter alten Bäumen und dichtem Efeu fast im Wald verlieren.
Der Friedhof überstand die NS-Zeit, anders als so vieles, weitgehend unzerstört und wird bis heute belegt. Zwischen schlichten Steinen finden sich aufwendige Mausoleen jüdischer Familien aus der Kaiserzeit, ein Gedenkstein für die ermordeten Berliner Juden und das Grab des Verlegers Samuel Fischer. Die Stille unter dem Blätterdach ist beinahe greifbar.
Männliche Besucher tragen eine Kopfbedeckung, am Eingang liegen Kippot bereit. Du erreichst den Friedhof mit der Tram bis Albertinenstraße oder über den S-Bahnhof Greifswalder Straße und einen kurzen Fußweg. Ein Ort, der Zeit verlangt und sie reich belohnt.
6. Weißer See
© Thomas Lehmann
Der kleine, fast kreisrunde See, der dem Ortsteil seinen Namen gab, ist ein eiszeitliches Toteisloch und das Herz von Weißensee. In seiner Mitte sprudelt eine Fontäne, am Ufer liegt ein gepflegter Park mit altem Baumbestand, Liegewiesen und einer Milchhäuschen genannten Gartengaststätte, in der Generationen von Weißenseern Kaffee getrunken haben.
Im Sommer ist der Weiße See ein Badesee mit eigenem Strandbad, eines der wenigen mitten in der Stadt. Wer nicht schwimmen will, leiht ein Ruderboot, spaziert die Uferpromenade entlang oder setzt sich einfach auf eine Bank und schaut der Fontäne zu. Die Anlage stammt in ihrer heutigen Form aus den 1920er Jahren.
Der Park liegt direkt an der Berliner Allee, der Lebensader von Weißensee, und ist mit der Tram bestens zu erreichen. Er bildet zusammen mit dem nahen Friedhof und dem alten Ortskern das Gegengewicht zur Großstadt, ländlich, ruhig und ein wenig aus der Zeit gefallen.
7. Gethsemanekirche
© Chris06
An der Stargarder Straße erhebt sich die mächtige neugotische Gethsemanekirche, 1893 nach Plänen von August Orth im roten Backstein vollendet, gestiftet aus Anlass der Silberhochzeit des Kaiserpaares. Mit ihrem hohen Turm prägt sie das Viertel rund um den S-Bahnhof Schönhauser Allee bis heute.
Berühmt wurde die Kirche im Herbst 1989. Hier sammelte sich die Oppositionsbewegung der DDR, hier brannten die Mahnwachen, und von hier gingen Bilder um die Welt, als die Stasi vor dem Gotteshaus Demonstranten zusammenschlug. Die Gethsemanekirche gilt seither als einer der Symbolorte der friedlichen Revolution.
Du erreichst sie in wenigen Schritten vom U- und S-Bahnhof Schönhauser Allee. Wer Glück hat, kann ein Konzert besuchen, denn der hohe, helle Innenraum hat eine vorzügliche Akustik. Ansonsten lohnt schon der Blick auf die wuchtige Fassade an einem ansonsten ruhigen Eckplatz.
8. Bürgerpark Pankow
© Marek Śliwecki
Wo einst der Zeitungsverleger Hermann Killisch von Horn einen privaten Landschaftsgarten anlegen ließ, liegt heute der Bürgerpark Pankow, der schönste Park im alten Ortskern. Schon der Eingang ist ein Auftritt: ein prächtiges steinernes Portal aus dem späten 19. Jahrhundert führt von der Wilhelm-Kuhr-Straße in die Anlage, die sich entlang der Panke erstreckt.
Im Inneren findest du alles, was ein klassischer Volkspark braucht: weite Wiesen, einen Rosengarten, alte Bäume, ein Gehege mit Vögeln und Wild, einen Spielplatz und schattige Wege am Wasser. An Sonntagen ist der Park gut besucht, an Werktagen herrscht eine fast dörfliche Ruhe.
Der Bürgerpark liegt nördlich des S- und U-Bahnhofs Pankow und lässt sich gut mit einem Besuch des nahen Schlosses Schönhausen verbinden. Die Panke, der namensgebende kleine Fluss des Bezirks, begleitet dich dabei fast durchgehend.
9. Zeiss-Großplanetarium
© Joe Mabel
An der Prenzlauer Allee glänzt die große silbrige Kuppel des Zeiss-Großplanetariums, 1987 zum 750-jährigen Jubiläum Berlins eröffnet und damals eines der modernsten Sternentheater Europas. Nach einer umfassenden Sanierung ist es heute eines der bestausgestatteten Wissenschaftstheater des Kontinents, mit hochauflösender Ganzkuppelprojektion.
Unter der Kuppel laufen nicht nur Reisen durch das Sonnensystem, sondern auch Musik- und Lichtshows, Lesungen und Konzerte. Der eigentliche Stargazer-Moment bleibt aber die klassische Sternvorführung, bei der über deinem Kopf der Berliner Nachthimmel erscheint, klarer, als ihn die Stadt je zulässt.
Das Planetarium liegt direkt am S-Bahnhof Prenzlauer Allee, umgeben vom Ernst-Thälmann-Park mit seinem markanten Denkmal. Es ist ein guter Ort für Regentage und ein noch besserer für Familien.
10. Schönhauser Allee
© Abaris at German Wikipedia
Keine Straße erzählt Prenzlauer Berg so vollständig wie die Schönhauser Allee. Die breite Magistrale zieht sich vom Senefelderplatz bis weit nach Norden, und über einem Teilstück donnert die U-Bahn auf einem stählernen Hochbahnviadukt von 1913, das im Volksmund schlicht Magistrale heißt und der Straße ihr unverwechselbares Bild gibt.
Unter dem Viadukt und an den Seiten reihen sich Geschäfte, Spätis, alteingesessene Läden und Cafés. Hier liegt das frühere jüdische Leben der Gegend dicht beieinander mit dem Alltag von heute. Wer den Boulevard von unten nach oben abläuft, durchquert das ganze soziale Spektrum des Viertels.
Vier Bahnhöfe erschließen die Allee, von Senefelderplatz über Eberswalder Straße bis zum Verkehrsknoten Schönhauser Allee mit U-Bahn, S-Bahn und dem Einkaufszentrum. Ein Spaziergang die Straße entlang ist die beste Art, das echte, unverstellte Prenzlauer Berg zu sehen.
11. Majakowskiring und das Städtchen
© Berlin Brewer
Im Norden von Niederschönhausen liegt eine stille, von prächtigen Villen gesäumte Straße, die ein Stück deutscher Geschichte trägt. Im Majakowskiring und dem umgebenden Viertel, dem sogenannten Städtchen, wohnten nach 1945 die führenden Funktionäre der DDR, von Wilhelm Pieck über Otto Grotewohl bis zu Johannes R. Becher und Hanns Eisler.
Das Gebiet war abgeriegelt und bewacht, weshalb der Westen Pankow lange als Spottnamen für die gesamte DDR-Regierung benutzte. Wer heute durch die ruhigen Straßen schlendert, sieht gepflegte Landhäuser hinter alten Bäumen, an manchen erinnern Tafeln an ihre prominenten Bewohner.
Das Viertel grenzt direkt an den Schlosspark Schönhausen und lässt sich gut mit einem Schlossbesuch verbinden. Erreichbar ist es über den U-Bahnhof Pankow und einen Spaziergang nach Norden oder mit der Tram durch Niederschönhausen.
12. Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark und Friedrichshain-Blick
© Traktorminze
Direkt an den Mauerpark schließt der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark an, eine weitläufige Sportanlage auf der Höhe zwischen Prenzlauer Berg und Wedding. Benannt nach dem Turnvater Jahn, war das große Stadion über Jahrzehnte Heimstätte des Fußballs im Berliner Norden und Schauplatz unzähliger Wettkämpfe.
Die Anlage wird derzeit grundlegend zu einer modernen, barrierefreien Sportstätte umgebaut. Schon der erhöhte Standort macht den Ort reizvoll: Vom Rand des Geländes und vom benachbarten Falkplatz reicht der Blick weit über die Dächer, ein guter Aussichtspunkt abseits der bekannten Türme.
Du erreichst den Sportpark vom U-Bahnhof Eberswalder Straße in wenigen Minuten. Wer den Mauerpark besucht, kann den Spaziergang gut hierher verlängern und den Hügel als ruhigere Alternative zur vollen Wiese nutzen.
13. Botanischer Volkspark Blankenfelde-Pankow
© Sebastian Wallroth
Ganz im Norden des Bezirks, wo Berlin in die offene Feldmark übergeht, liegt der Botanische Volkspark Blankenfelde-Pankow, ein knapp 34 Hektar großer Park, der weit weniger bekannt ist, als er es verdient. Angelegt zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Schulgarten und Lehranlage, vereint er einen englischen Landschaftspark mit botanischen Schauflächen.
Zwischen weiten Wiesen und alten Baumgruppen findest du eine Alpenanlage mit künstlichem Gebirgsbach, ein System aus Teichen, historische Gewächshäuser und ein Arboretum mit seltenen Bäumen. Der Park grenzt unmittelbar an den Naturpark Barnim, sodass sich Spaziergänge weit ins Grüne hinein verlängern lassen.
Die Anreise ist die kleine Mühe wert: vom S-Bahnhof Blankenburg oder mit dem Bus durch Blankenfelde. Belohnt wirst du mit einer Stille und Weite, die man im inneren Pankow kaum für möglich hält, der ländliche Gegenpol zum quirligen Prenzlauer Berg.
- Pfefferberg: An der Schönhauser Allee, gleich am Senefelderplatz, liegt das Areal einer ehemaligen Brauerei aus dem 19. Jahrhundert, das heute Galerien, eine Schaubrauerei, Ateliers und das Museum für Architekturzeichnung beherbergt. Ein stiller Hof voller Backstein, den die meisten an der großen Straße übersehen.
- Carl-von-Ossietzky-Park und das alte Weißensee: Rund um die Bezirkszentrale und den alten Anger von Weißensee verbirgt sich ein fast dörflicher Ortskern mit der Bethanienkirche und stillen Wohnstraßen. Wer den Trubel am Weißen See hinter sich lässt und nach Westen geht, findet ein Weißensee, das wirkt, als wäre die Großstadt nie ganz angekommen.
- Schlosspark Schönhausen an der Panke: Der Park hinter dem Schloss wird viel seltener besucht als das Gebäude selbst. Ein echter Landschaftsgarten des 18. Jahrhunderts, durch den sich die Panke schlängelt, mit alten Eichen, Wiesen und Brücken. Am frühen Morgen gehört er fast dir allein.
Pankow lässt sich nicht an einem Tag erlaufen, dafür ist der Bezirk zu groß und zu unterschiedlich. Doch genau das ist sein Reiz: Wer den Wasserturm und die Kulturbrauerei kennt, hat erst den Anfang gesehen. Dahinter warten das Barockschloss, der weite Jüdische Friedhof, der Badesee in Weißensee und ganz im Norden das offene Land.
Am schönsten ist es, sich einen Ortsteil nach dem anderen vorzunehmen, mit Tram und S-Bahn von Viertel zu Viertel. So wird aus dem vermeintlichen Prenzlauer-Berg-Bezirk ein ganzer Kosmos, der von der Großstadt bis an die Feldmark reicht.