Sven Regener sitzt derzeit wahrscheinlich an seinem Schreibtisch in Berlin und arbeitet an einem neuen Roman, der laut seiner Website im kommenden Jahr erscheinen soll.1 Der in Berlin-Prenzlauer Berg lebende Schriftsteller und Musiker, der seinen Kiez im Bezirk Pankow seit Jahren öffentlich verteidigt, blickt auf ein bemerkenswertes Jahr zurück und steht vor neuen Herausforderungen. Denn seit April 2026 ist Regener offiziell Mainzer Stadtschreiber, eine Auszeichnung, die sein vielfältiges Werk würdigt und ihm neue Möglichkeiten eröffnet.23
Wer ist dieser Mann, der als Musiker, Schriftsteller und Drehbuchautor gleich mehrere Kunstwelten bevölkert? Und was zieht ihn, nach einem Leben zwischen Prenzlauer Berg und der großen Bühne, nun zeitweise nach Mainz?
Von der Band zum Bestseller-Autor
Sven Regener, 1961 in Bremen geboren, gründete 1985 in Berlin die Band Element of Crime, mit der er bis heute 13 Studioalben veröffentlicht hat. Doch 2001 kam eine zweite Karriere hinzu: Sein erster Roman „Herr Lehmann" wurde zum Bestseller, ebenso wie die nachfolgenden Werke. Zusammen mit Leander Haußmann entstanden die Filme „Herr Lehmann" und „Hai-Alarm am Müggelsee", Adaptionen, die Regeners Fähigkeit zeigten, große Geschichten in vermeintlich beiläufigen Tönen zu erzählen.
Die Jury hob bei der Verleihung hervor, dass Regener sowohl als Schriftsteller als auch als Musiker die großen Geschichten in scheinbar beiläufigem Ton erzähle und in seinen Romanen, Drehbüchern und Songtexten die Dramen des Alltäglichen sowie die Poesie des Strauchelns einfange.
Was Sven Regener heute macht
Aktuell jongliert Regener mehrere Projekte gleichzeitig. Sein Essay „Zwischen Depression und Witzelsucht. Humor in der Literatur" erschien 2024 und geht auf seine Poetikvorlesung an der Universität Kassel von 2016 zurück. Gerade arbeitet er an einem neuen Roman, der laut seiner Website im kommenden Jahr erscheinen soll, mehr verrät er bislang nicht.
Musikalisch ist Regener mit dem Jazz-Trio Regener Pappik Busch unterwegs, gemeinsam mit Schlagzeuger Richard Pappik und Pianist Ekkehard Busch. Das Trio tourte 2025 unter anderem in Köln, Frankfurt, Dresden, Hamburg und Bremen und veröffentlichte das Album „Field of Lights". Parallel moderiert er Literaturfestivals und tritt bei Künstlerabenden auf, ein Mann, der ständig in Bewegung ist.
Stadtschreiber in Mainz
Am 29. April 2026 erhielt Regener die Auszeichnung zum Mainzer Stadtschreiber, bereits die 41. Verleihung dieses traditionsreichen Literaturpreises von ZDF, 3sat und der Stadt Mainz. Der Preis ist mit 12.500 Euro dotiert und bringt eine besondere Geste mit sich: ein Jahr Wohnrecht in einer Wohnung im Herzen der Mainzer Altstadt. Zudem erhält Regener die Möglichkeit, zusammen mit ZDF und 3sat einen Film zu einem Thema seiner Wahl zu produzieren, eine Plattform, die wenige Schriftsteller bekommen.
Die Jury würdigte sein originelles und vielfältiges Werk, das immer wieder zu überraschen vermag. Seine früheren Auszeichnungen, darunter die Carl Zuckmayer-Medaille (2016), die Brüder-Grimm-Gastprofessur an der Universität Kassel (2016) und der Jonathan Swift Preis (2022), untermauern seinen Status als eine der wichtigsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartskultur.
Der stille Bezug zu Pankow
Regener lebt seit Jahren in Berlin, und Prenzlauer Berg im Bezirk Pankow gilt als sein Zuhause und künstlerisches Zentrum, ähnlich wie für den russisch-deutschen Chronisten Wladimir Kaminer und seine Pankow-Geschichten. In Interviews hat er seinen Kiez wiederholt gegen das Klischee vom „Bionade-Biedermeier" verteidigt. Seine Website svenregener.de bleibt seine primäre Anlaufstelle für Fans und Interessierte – hier teilt er Updates zu Projekten, Konzerten und Büchern.
Was über Regeners Privatleben bekannt ist, hält er bewusst privat. Dafür engagiert er sich öffentlich für Themen, die ihm wichtig sind: Er gehört zu den Gründungsmitgliedern des 2022 ins Leben gerufenen PEN Berlin und setzte sich früh für das Urheberrecht ein. 2023 trat er bei der von Igor Levit initiierten Veranstaltung „Gegen das Schweigen/Gegen Antisemitismus" im Berliner Ensemble auf, ein klares Bekenntnis zu künstlerischer Verantwortung.
Ein Mann der vielen Talente
Sven Regener ist kein Künstler, der sich auf ein Medium beschränkt. Er wechselt mühelos zwischen Musik, Literatur, Film und Essay hin und her, immer auf der Suche nach neuen Wegen, Geschichten zu erzählen. Sein neuer Roman wartet, die Jazz-Trio-Touren locken, und nun auch die Herausforderung Mainz. Für Pankow und die deutschsprachige Kulturlandschaft bleibt er eine prägende Figur: jemand, der zeigt, dass echte künstlerische Vielfalt möglich ist, und dass große Geschichten oft in scheinbar beiläufigen Tönen erzählt werden.